Obwohl Echtzeit-Glukosemessungen und HbA1c-Werte häufig verwendet werden, um die Diabeteskontrolle zu beurteilen, erzählen sie nicht die ganze Geschichte. Menschen mit dem gleichen HbA1c von 7 % können sehr unterschiedliche Glukosemuster und „Time in Range“-Profile (TIR) haben. Um das tägliche Glukosemanagement wirklich zu verstehen, lernen wir die wichtigsten Kennzahlen kennen, die durch CGM bereitgestellt werden.


1. Durchschnittlicher Glukosewert
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Definition
CGM zeichnet jeden Tag Hunderte oder sogar Tausende von Glukosewerten auf. Ihre Summe geteilt durch die Anzahl der Messwerte ergibt den „Durchschnittsglukosewert“. -
Warum das wichtig ist
Er spiegelt den allgemeinen Glukosespiegel direkter wider als ein Einzelwert oder der HbA1c. -
Zielwert (allgemeine Empfehlung)
Für die meisten Erwachsenen mit Diabetes: Durchschnittlicher Glukosewert < 153 mg/dL(8,5 mmol/L). -
Tipp
Der Mittelwert zeigt keine Schwankungen, daher sollte er immer zusammen mit TIR, TBR und TAR betrachtet werden.
2. TIR — Time in Range (Zeit im Zielbereich)
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Definition
Der Prozentsatz der Zeit, in der Ihr Glukosewert im Zielbereich bleibt. TIR misst die Qualität der Glukosekontrolle. -
Zielbereich (Erwachsene mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes)
70–180 mg/dL (3,9–10,0 mmol/L) -
Warum das wichtig ist
Ein höherer TIR bedeutet stabilere Glukosewerte und ein geringeres Risiko für Diabetes-Komplikationen. -
Beispiel
Wenn Sie 17 von 24 Stunden im Bereich von 70–180 mg/dL verbringen,
TIR = 17 ÷ 24 × 100 % ≈ 71 %, was das empfohlene Ziel (≥70%) erfüllt. -
Tipp
Ein höherer TIR bedeutet eine bessere Gesamtglukosestabilität. Je größer die Blutzuckerschwankungen, desto höher das Risiko diabetesbedingter Komplikationen. Die Überwachung und das Management des TIR-Prozentsatzes können helfen, das Auftreten dieser Komplikationen zu reduzieren.
3. TBR — Time Below Range (Zeit unter dem Zielbereich)
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Definition
Der Prozentsatz der Zeit, in der Ihr Glukosewert unter den Zielbereich fällt. TBR misst das Risiko einer Hypoglykämie. - Zielbereich (Erwachsene mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes)
- Stufe 1 Hypoglykämie: <3,9 mmol/L (≈<70 mg/dL)
Ziel: <4 % des Tages (~<1 Stunde)
- Stufe 2 Hypoglykämie: <3,0 mmol/L (≈<54 mg/dL)
Ziel: <1 % des Tages (~<15 Minuten)
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Warum das wichtig ist
Hypoglykämie ist gefährlicher als Hyperglykämie, besonders nachts, wenn Symptome übersehen werden können. -
Beispiel
Wenn Ihr Glukosewert <3,9 mmol/L für 30 Minuten am Tag beträgt,
TBR = 0,5 ÷ 24 × 100 % ≈ 2 %, das liegt innerhalb des sicheren Zielwerts (<4 %). -
Tipp
Achten Sie auf frühe Hypoglykämiesymptome wie Schwitzen, Herzklopfen oder Zittern—und handeln Sie schnell.
4. TAR — Time Above Range (Zeit über dem Zielbereich)
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Definition
Der Prozentsatz der Zeit, in der Ihr Glukosewert über dem Zielbereich liegt. TAR misst das Risiko einer Hyperglykämie. - Stufen (Erwachsene mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes)
- Stufe 1 Hyperglykämie: 10,1–13,9 mmol/L (≈182–250 mg/dL)
Ziel: <25 % des Tages (~<6 Stunden)
- Stufe 2 Hyperglykämie: ≥13,9 mmol/L (≥250 mg/dL)
Ziel: <5 % des Tages (~<1,2 Stunden)
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Warum das wichtig ist
Dauerhaft erhöhte Glukosewerte sind stark mit Komplikationen wie Augen-, Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. - Beispiel
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Wenn der Glukosewert >10,1 mmol/L für 4 Stunden am Tag beträgt,
TAR ≈ 17 %, was bei Stufe 1 Hyperglykämie akzeptabel ist (<25 %). -
Wenn der Glukosewert ≥13,9 mmol/L für 30 Minuten beträgt,
TAR (Stufe 2) ≈ 2 %, was deutlich unter dem empfohlenen Grenzwert liegt (<5 %).
Zusammenfassung
- Durchschnittlicher Glukosewert: Gesamter Blutzuckerwert
- TIR: Je höher, desto besser (≥70 %)
- TBR: Niedrige Werte möglichst gering halten (<4 %)
- TAR: Hohe Werte begrenzen (<25 %)
Die Bedeutung individueller Zielwerte
Diese Zielwerte sind nicht für alle gleich. Sie sollten individuell angepasst werden je nach:
- Alter: Ältere Erwachsene benötigen eventuell lockere Ziele, um das Risiko einer Hypoglykämie zu senken.
- Komplikationen: Bei schweren Diabeteskomplikationen können sich die Zielbereiche unterscheiden.
- Lebensstil und Risikofaktoren: Neu diagnostizierte Patienten, Personen mit Hypoglykämie-Neigung oder solche, die nachts besonders geschützt werden müssen, können andere Ziele haben.
Fazit
Das Glukosemanagement sollte individuell gestaltet werden.
Konsultieren Sie immer Ihren Arzt, um die für Ihren Gesundheitszustand und Alltag passenden Zielwerte festzulegen.
Ihr Arzt kann Ihnen helfen, CGM-Daten zu interpretieren und Ihren Therapieplan entsprechend anzupassen.